Ein Dienstagnachmittag in der Oasis. Der Saal füllt sich langsam mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache, unterschiedlichen Alters und Geschlechts.
In einer Ecke spielen Kinder mit Bauklötzen. An einem Tisch sind eine Frau und zwei Mädchen dabei, mit Buntstiften eine Winterlandschaft mit Vögeln anzumalen. Immer mehr Sessel werden um die fünf kleinen Tische gerückt. Um einen „albanischen Tisch“ setzen sich nach und nach junge Männer aus dem Kosovo. Auf einem anderen Tisch liegt eine offensichtlich heiß begehrte Liste, auf die viele ihre Namen schreiben… Ein Wirrwarr aus Stimmen. Eine Frau dreht sich diskret zur Seite und stillt ihr Baby. Ein paar algerische Männer fragen nach Kaffee. Die afghanischen Männer, die an einem anderen Tisch Platz genommen haben, möchten lieber süßen Tee mit Milch („sheer-chai“). Ein Teil des Raumes erinnert an einen Friseursalon. Deshalb also die Liste…

In aller Ruhe ist ein Freund der Oasis, ein Missionar, der aus Südkorea stammt, dabei, Haare zu schneiden – schwarze, blonde, lange, kurze, glatte oder lockige. Und das völlig kostenlos! Eins ums andere Mal skizziert er auf einem Stück Papier die gewünschte Frisur, um auch wirklich sicher zu sein, dass er richtig verstanden hat, an welcher Stelle das Haar kurz geschnitten und wo es lediglich ein wenig zurechtgestutzt werden soll.

Ein Tisch wird frei und eine Gruppe jüngerer und älterer somalischer Frauen nimmt Platz.
Sie tragen Kopftücher – und sind wahrscheinlich nicht zum Haare schneiden da
Fragen nach Kleidung und Schuhe veranlassen uns, ins Kleiderzimmer und in den Keller zu gehen um nach dem Gewünschten zu suchen. Ein paar Leute stöbern nach Traktaten und Büchern in ihrer Sprache und beginnen zu lesen als sie fündig geworden sind. Es sind wohl an die 40 Leute im Raum, aber die Stimmung ist ziemlich ruhig.

Ein Flüchtling schneidet seinem Freund die Haare mit einer Haarschneidemaschine: „Zwei, drei oder vier Millimeter?“ Haare werden zusammengekehrt, Kaffee und Tee serviert, Tassen abgewaschen und nachgefüllt (mit viel Zucker und ein bisschen Flüssigkeit), Verständigungsschwierigkeiten überwunden… es passiert viel, und doch ist genügend Zeit.

Ein Prediger aus Kenia erzählt mir, dass er am nächsten Morgen ein wichtiges Interview bezüglich seines Flüchtlingsstatus in Österreich hat. Tiefes geistliche Erkenntnisse folgen, nur für mich Vor allem die folgenden Worte berühren mich sehr: „Manchmal reißt Gott uns aus dem Gewohnten heraus um uns mit Ihm in Verbindung zu setzen. Weil Er uns liebt!“ Ja, manchmal muss Gott uns von vielen Dingen trennen, damit wir mit Ihm verbunden sein können; so groß ist Seine Liebe! Und wir sind privilegiert, das von einem Flüchtling hören und lernen zu dürfen!