Wir begegnen nicht oft Flüchtlingen aus Äthiopien und als ich Adam zum ersten Mal traf, fiel mir gleich auf, dass er anders war. Er war freundlich und schüchtern und hatte ein wunderbares Lächeln. Das Oasis-Kaffehaus am Donnerstagabend ist ein hervorragender Ort um zu plaudern und Flüchtlinge ein wenig kennen zu lernen. Adam sprach sehr gut Englisch und bereits nach kurzer Zeit erzählte er mir, dass er gläubiger Christ war und in seinem Land verfolgt wurde, weil er seine Religionszugehörigkeit geändert hatte. Er fragte nach einer englischen Bibel und wo er hier in die Kirche gehen konnte.

Am nächsten Sonntag und in den darauf folgenden Wochen besuchte er eine örtliche afrikanische Gemeinde und ich konnte beobachten, wie seine innere Kraft und Hoffnung wuchs. Dann wurde er verlegt. Leider passiert dass oft, wenn die Freundschaft zwischen einem Missionar oder einer Missionarin und einem Flüchtling noch im Entstehen begriffen ist. Wir blieben jedoch telefonisch in Verbindung, als er in seine neue Unterkunft, ganz im Westen Österreichs, zog.

Er war dort sehr einsam, konnte keine Gemeinde finden und bat mich, ihm zu helfen. Während des Monats, in dem ich versuchte Kontaktpersonen für ihn ausfindig zu machen, wurde er sehr niedergeschlagen. Sogar hier in Österreich wurde er von muslimischen Landsmännern verfolgt und einmal von ein paar Männern in seiner Unterkunft so schlimm zusammengeschlagen, dass er ins Krankenhaus musste. Von dort aus rief er mich an und bat mich erneut: „ Julie, bitte finde jemanden, der mich besucht, und finde eine Gemeinde für mich.“ Durch Gottes Gnade klappte es endlich und ein Mann namens Graham begann Adam zu besuchen und sich seiner anzunehmen. Allerdings wohnt er zu weit von der Gemeinde entfernt, um sie besuchen zu können.

Am Morgen des Ostersonntags war ich in Wien und wartete auf eine afghanische Familie, die ich in eine neue Gemeinde eingeladen hatte um sie dort einigen Personen vorzustellen.
Ich dachte an Adam und rief ihn mit meinem Handy an. Als ich ihn mit den Worten „Adam, wir glauben wirklich an einen lebendigen Gott, Christus ist auferstanden!“ begrüßte, antwortete er: „ Ja, wirklich, und weißt du wie er mich gesegnet hat?“ Er erzählte mir dann, dass er im Asyl-Interview als erstes gefragt worden sei, was seine Hoffnung hier in Österreich sei. Er hatte voller Freude geantwortet: „Meine Hoffnung ist Jesus Christus, und sonst nichts.“ Er bekam Asyl!  Preist den Herrn für einen solchen Glauben in einer so schwierigen Situation! Adam ist erst 18 und hofft, in Wien studieren zu können.

Bitte betet auch für andere Flüchtlinge, die zu uns kommen und um Asyl ansuchen, weil sie aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Vom Islam zum Christentum zu konvertieren ist mit leidvollen Konsequenzen verbunden, aber diejenigen, die sich tatsächlich für Christus entschieden haben sind ein gewaltiges Zeugnis für uns. Am meisten benötigen diese Menschen Gemeinschaft und Ermutigung durch andere Glaubensgeschwister. Preist den Herrn, weil wir alle eine Familie sind, und Kinder aus verschiedenen Nationen zusammenkommen um Ihm all die Ehre zu geben.